Minnieur
 

Meine Familie und ich

Am 01.09.1995 wurde ich in Geldern geboren. Ich hatte noch 11 Brüder und Schwestern. Aber meine Hundemami hat uns alle ganz toll versorgt.


Nach ein paar Wochen fing es dann an, immer kamen fremde Leute zu Besuch. Komisch, immer wenn sie wieder gingen fehlte eines meiner Geschwister, die haben die fremden Leute mitgenommen. Merkwürdig fand ich das schon, wir wurden immer weniger, die übrig blieben um zu spielen und zu toben. Nach 9 Wochen waren wir nur noch zu dritt, ein Brüderchen, ein Schwesterchen und ich. Weil wir so klein waren wollte uns niemand haben. Eines Abends war es wieder so weit, ich merkte das schon am Nchmittag. Und richtig, so gegen 19:30 Uhr, es war schon dunkel draussen, klingelte es an der Tür. Bestimmt wieder irgendwelche fremden Leute. Und dann ging  die Tür auf, und herein kamen ein Mann und eine Frau. Mein kleines Herz machte einen Hüpfer, die beiden gefielen mir aber gut. Es war meine neue Menschenmami und ihr Bruder.


Nun musste ich den beiden irgendwie zeigen, das ich der Hund war, den sie haben wollten, und ich legte mich so richtig ins Zeug. Natürlich nicht so aufdringlich, sondern auf die stille, feine Art. Und siehe da, plötzlich sagte Dieter, der Bruder meiner  neuen Mami, das er mich ganz toll fand. Mich! Wo mich doch vorher niemand haben wollte. Und tatsächlich, ich wurde schön in eine warme Decke eingepackt und fuhr mit den beiden in mein neues glückliches Leben. Aber so glücklich fing das Leben gar nicht an. Schon auf dem Weg nach Hause fing es an. Wir hatten vielleicht den halben Weg geschafft, und Dieter sagte  gerade noch, was für einen tollen Hund sie ausgesucht hatten, der nicht zu den Hunden gehörte, denen beim Autofahren immer schlecht wurde. Au weia, wenn der wüsste, das mir schon die ganze Zeit sooooooo  schlecht war. Und dann passierte, was kommen musste, alles was in meinem Bäuchlein war, kam auf den falschen Weg wieder raus, und meine Mami, die mich ja auf dem Schoß hielt, wurde ganz voll. Das war mir vielleicht peinlich und ich machte mich ganz klein. Aber Mami hat nicht geschimpft, zum Glück. Aber so sehr ich mich bemühte, kurz bevor wir zu Hause ankamen

kam die zweite Ladung aus mir heraus, und Mami war nun vollends mit dem Inhalt meines Magens übergossen. Aber dann fuhren wir endlich vor der Haustür vor, die auch gleich von Joachim und Alexandra aufgerissen wurde. Mensch waren die beiden aufgeregt, und mir war immer noch ganz schlecht. Mami gab mich raus, und ich hielt meinen großen Einzug. Mal schauen wo und bei wem ich jetzt Leben würde. Alexandra und Joachim kannte ich ja schon, aber fehlte da nicht  noch jemand? Richtig, da kam er ja schon, mein neuer Hundepapi. Aber ganz glücklich schien der nicht zu sein, das ich jetzt da war. Schaun wir doch mal, vielleicht klappt das ja bei ihm genauso wie bei Mami und Dieter. Und tatsächlich, schmunzel, es dauerte keine zehn Minuten, und ich hatte ihn um den kleinen Finger gewickelt.


Man hatte mir auch schon eine wunderschöne Kuschelecke vorbereitet, das war fein. Aber als ich schlafen wollte, war ich allein, oh Schreck. Alle sind sie da oben, wo man nur über die schreckliche Treppe hinkommt. Ich kam nicht hin zu meinen Lieben. Gestern nacht war meine Hundemami noch da, und ich konnte mich bei ihr einkuscheln. Hier war ich allein und mir war kalt. Ich wurde so traurig und fing an zu weinen. Mami kam zwar noch einige Male nach mir schaun, wir gingen auch noch mal Gassi, aber sie nahm mich nicht mit hoch. Also wieder weinen. Ich hielt das gut durch in dieser Nacht. Ich weiß das Papi nicht wollte, das ich im Schlafzimmer einzog.


Am nächsten Morgen brachten wir Joachim zur Schule. Er besuchte damals die zweite Klasse der Grundschule, die war nicht weit weg. Auf dem Weg dorthin tafen wir Ingrid mit ihren Kindern und ........... Rico! Rico war auch ein Welpe wie ich, ein Münsterländer. Ich fand ihn ganz toll, und er mich ;o)). Und weil unsere Mamis das auch toll fanden gingen wir, nachdem die Kidis in der Schule waren ein paar Meter weiter. Direkt neben der Schule hatte ein Bauer ein großes Feld, das jetzt natürlich leer war, und eine große Wiese davor gab es auch. Hier konnten Rico und ich toll laufen, spielen und toben. Mensch war das toll. Und ab sofort war der morgentliche Treff am Feld an jedem Wochentag angesagt, mehr noch, Rico und ich waren die Begründer unseres Hundetreffs  für die nächsten Jahre. An manchen Tagen waren wir 7 oder 8 Hunde die sich mit ihren Frauchen oder Herrchen dazugesellten. Mein Freund war Barry, ein großer Berner Sennenhund, der mochte mich besonders gerne leiden.


Na ja, jetzt kennt ihr unseren Hundetreff. Aber wie ging es zu Hause weiter an meinem ersten Tag in meiner neuen Familie?
Als wir wieder nach Hause kamen war ich erstmal schachmatt und müde.
Mami putze das Haus, und nach jedem Essen gingen wir Gassi. Natürlich holten wir Joachim auch wieder ab, er natürlich Stolz wie Oskar, weil er  mit mir an der Leine gehen durfte. Natürlich gehört zu unserem Haus auch ein schöner Garten, immer wenn ich wollte konnte ich im Garten toben. So verging der Tag sehr rasch, und der Abend kam. Nun kam die größte Überraschung für mich, ihr glaubt es ja nicht. Als Papi und Mami ins Bett gehen wollten nahm Mami mich auf den Arm und nahm mich mit. Da lag doch vor ihrem Bett mein Schlafkissen und mein Quitscheentchen. Was war ich glücklich. Ich habe mich auch bemüht sehr   dankbarzu sein, doch dauerte schon ein paar Tage, bis Mami merkte, das ich nachts ja stubenrein war.

 
Natürlich ist der November nicht so der Hit was das Wetter angeht, jedenfalls dort, wo ich wohne. Und ich mag keinen Regen. Man bekommt nasse und schmutzige Pfötchen und das Fell wird nass, schrecklich. Da fand ich es immer toll, wenn Alexandra zu Hause war. Dann muste ich nicht laufen, wenn ich auf die Gassi musste, ;o)), denn Alexandra trug mich immer bis zu meiner Stelle und wieder zurück. Natürlich haben viele gefeixt und gesagt:” Schau mal, die Alex trägt wieder ihren Hund Gassi”. Abermal ehrlich, MICH hat das nicht gestört. Ausserdem erledigte sich dieser Komfort ja ganz alleine, denn aus mir, dem süßen kleinen Welpen wurde ein wunderschönes großes Colliemädchen.

In den vielen Jahren, die ich mit meiner Familie leben durfte, fühlte ich mich immer als vollwertiges Familienmitglied. Wann immer es ging unternahmen wir alles gemeinsam. Ich musste nicht stundenlang alleine zu Hause sitzen und warten das meine Familie wiederkam. Auch in den Urlaub führen wir immer alle zusammen.
Beim Thema Urlaub folgte gleich das nächte Problem. Ich war etwa 7 Monate alt, da sollte unsere erste Urlaubsreise nach Frankreich in die Normandie gehen. Von der Tochter unserer Vermieterin in Frankreich, eine Bekannte der Familie, erführen wir, das unsere Zimmer in der ersten Etage liegen würden. Au weia! Und das mit mir, die ja bis dahin gar nicht nötig hatte Treppen zu steigen. Wurde ich doch bisher immer gnädig die vorhandenen Treppen zu Hause hinaufgetragen. Und ich wollte eigentlich nicht verraten, das ich das eigentlich auch alleine wunderbar konnte. Man versuchte so einige Tricks, mich auf den eigenen Füßen die Treppen hinauf zu bewegen. Denkste, ich blieb standhaft. Ich blieb so lange stur, bis man feststellte das es etwas in meinem Leben gab, wo ich nicht widerstehen konnte - Gouda. Dafür würde ich fast alles tun. Also lockte man mich mit kleinen Käsestückchen die Treppe nach oben. Der Urlaub konnte also kommen, und mein Luxus keine Treppen steigen zu müssen war vorbei. Ich bekam einen tollen Sicherheitsgurt ins Auto, mit dem ich zwischen Alexandra und Joachim angeschnallt wurde, bevor wir losfuhren bekam ich eine Reisetablette, damit ich die lästige Autofahrt besser vertrug, und los ging es. So bin ich in meinem Leben viele Male im Urlaub gewesen, zweimal waren wir sogar mit mit einem Wohnmobil, einmal in Frankreich und einmal in Österreich, im Urlaub.

  Ich muß ja ehrlich gestehen, ich habe ja so viel Glück gehabt mit meiner Familie. Ich fühlte mich immer als vollwertiges Familienmitglied. Wann immer es möglich war, haben wir alles gemeinsam gemacht, darüber war ich unheimlich froh. Natürlich war ich dann auch nicht nachtragend, wenn ich wirklich mal zu Hause bleiben mußte, und habe mich gut benommen und gewartet. Ich hatte schon viele Schokoladenseiten, schmunzel. Obwohl es auch einige Dinge gab, in meinem Leben, die fand ich einfach nie gut. Autofahren, zum Beispiel, gehörte zu den Dingen die ich nie gerne tat. Oder Besuche beim Tierarzt, oh weh. Eigentlich war ich selten wirklich krank, einmal hatte ich Durchfall, da war ich noch ganz klein. Dann hab ich mir mal in die Pfote geschnitten, an einer dummer Scherbe die auf der Spielwiese lag. Da war der Tierarztbesuch schon weniger schmerzlos. Eine Spritze hab ich bekommen, und einen dicken Verband um die Pfote. Der Verband ging ja noch, auch wenn es lästig war, damit herumzulaufen. Aber diese Spritzen immer....! Und dann das Impfen erst. Es ist ja  wichtig, das seh ich ja ein. Aber, aber..., gibt es da nichts anderes, was mir vielleicht auch noch gut schmeckt? Nein, immer wieder nur Spritzen!

Manchmal, besonders als ich noch ziemlich klein war, habe ich mich schon ein paar Mal alleine auf den Weg gemacht, grins. Nun ja, spatzieren gingen wir ja oft, das muß ich ja ehrlich sagen. Und einen schönen Garten gab es ja auch. Aber............., es gab in Sicht - und Hörweite auch auch eine ganz tolle große Wiese, direkt am Ende unseres Blockes. Dort spielten die Kinder am Nachmittag manchmal Fußball,  und ganz oft konnte man dort auch viele vierbeinige Freunde von mir mit ihren Frauchen treffen, das wußte ich natürlich. Und wenn mir ein bisschen langweilig war, hab ich gedacht, wie komme ich nur auf  die Wiese?. Also behielt ich meine Mami ganz besonders gut im Auge, und begann heimlich still und leise nach einem Schluploch zu suchen. Einige Male gelang es mir tatsächlich durch verschiedene kleine Löcher in der Hecke durchzuschlüpfen. Und dann ab auf die Wiese! Einmal hat meine Mami mich entdeckt, als sie oben im Schlafzimmer war und aus dem Fenster schaute, so ein Pech. Einmal hat sie gesehen wie ich die Kurve kratzte, da kam ich dann leider gar nicht  bis zur Wiese, manchmal haben auch ein paar Nachbarn gepetzt, so was gemeines aber auch. Besonders gemein war aber, das jedes Schlupfloch nur einmal funktionierte, beim nächsten Versuch war das Loch das dichtgemacht. Nachdem dann soweit jedes Loch in der Hecke dicht war, musste ich was anderes versuchen. Also nahm ich Nachbars Garten, dort war die Hecke ja noch nicht Ausbruchsicher.  Ich machte mich ganz klein und dünn und zwängte mich durch das winzige Loch zwischen Zaun und Hecke in Nachbars Garten und durch die Hecke zur Straße kam ich leicht raus. Nun wollte ich aber nicht gleich wieder erwischt werden, also überlegte ich mir eine Alternative. Spontan fiel mir das Feld ein, wo wir jeden Morgen toben konnten. Vielleicht hab ich ja Glück, und die anderen Hunde sind auch da. Ich machte mich also auf den Weg, der war ja nicht weit, und  ich  hatte Pech, niemand da. So verweilte ich ein bisschen dort, bis auf einmal, oh Schreck, der Opa mit dem Fahrrad vorbeischaute. Also, was blieb mir übrig, ich trat den Heimweg an. Ich überlegte mir für die Zukunft, derartige Extratouren nun  zu unterlassen, und mich auf unsere täglichen Spaziergänge zu freuen. Das machte ja auch riesigen Spaß, aber nur bei schönem Wetter. Regen konnte ich absolut nicht leiden. Aber noch mehr wie der Regen war mir Papas Gartenschlauch verhasst. Wenn der ihn nur schon in die Hand nahm, bin ich schnell im Haus verschwunden.
Mein Lieblingsplatz im Garten waren zwei Rhododendronbüsche, die rechts und links vor unserer Terrasse stehen. Im Sommer, wenn es so richtig warm war, konnte man sich darunter legen. Dort war es immer so herrlich kühl, und so ein Nickerchen im Schatten hab ich gerne gemacht.
Irgendwann hab ich begonnen unter jedem Busch ein Loch zu buddeln, schön groß, das möglichst viel von mir reinpasste. Und bei richtig heißem Sommerwetter war  es in meinen Löchern wunderbar kühl. Natürlich musste ich vorsichtig taktieren, weil Papa liebte meine Löcher gar nicht. Also legte ich mich immer möglichst ruhig unter einen Busch, und nur meine Pfoten gruben unter mir das Loch. Ich schaffte es auch immer wieder so ein kühles Erdloch eine zeitlang benutzen zu können, bis, ja bis  der Papa wieder mit dem Spaten kam und meine schönen Löcher wieder zuschippte. ;o)).

Meine Familie, 11 1/2 glückliche Jahre durfte ich mit euch leben. Ich habe jeden Tag genossen. Ich war so gerne bei Euch, und wäre auch gerne noch geblieben. Als man im November 2006 einen bösartigen Tumor in meinem Kiefer entdeckte, da hab ich noch gekämpft. Es sah auch am Anfang so aus, als könnte ich gewinnen. Im März 2007 habe ich den Kampf verloren.
Ich bin über die Regenbogenbrücke gegangen, und werde von dort über Euch wachen und dort werde ich warten.
Danke für die wunderschönen Jahre.


Vergesst mich nie.